Vorarlberger Bauszene

Die Architektur Vorarlbergs ist in Europas Fachkreisen längst ein Begriff. Kaum eine andere Region in der Union weist eine ähnliche Dichte an qualitätsvollen Bauten auf wie das Dreiländereck am Bodensee. In Summe gesehen manifestiert sich vielerorts dennoch ein Bild ungezügelter Heterogenität der Siedlungsstruktur. Die Qualität des Einzelbauwerks vermittelt sich nicht zwangsläufig im umliegenden Kontext des Bebauungsgefüges.

Vorarlbergs ArchitektInnen, nunmehr seit den Pionieren der 1960er Jahre in der dritten Generation wirksam, versuchen sich nach wie vor an den Parametern der Baukultur: Verinnerlichung der Tradition, Weiterdenken an Erprobtem, Transformieren von Typologien, Anwenden neuer Technologien, Nachhaltiges Formgeben sich wandelnder Bedürfnisse. Die enorme Bautätigkeit der letzten 30 Jahre hat dem Land jedoch ein neues Gesicht verliehen, welches gesamtheitlich betrachtet vielerorts in plagiiertem Mittelmaß versinkt.

Der einst innovative Wohnbau hat sich beispielsweise durch wirtschaftliche Zwänge in eine stagnierende Entwicklung drängen lassen. Hier müssten sich Rahmenbedingungen wie Bodenpreise und Errichtungskosten ändern, um zukunftsweisenden Antworten mehr Spielraum zu geben. Hingegen floriert der Industrie- und Gewerbebau und liefert eine beeindruckende Anzahl an hochwertiger gebauter Umsetzung des erfolgreichen Wirtschaftsstandortes.

Raumplanerische Prozesse wie „Vis!on Rheintal“, ein komplexer, überkommunaler Regionalentwicklungsprozess mit hoher Bürger- und ExpertInnenbeteiligung, waren längst überfällig. Baukulturelle Förderung in Vorarlberg benötigt den übergeordneten Blick auf die jeweilige Talschaft, um an deren Identität weiterarbeiten zu können. Auch die Architekturvermittlung unterliegt dieser Öffnung und dem Disziplinen übergreifenden Miteinander. Es gilt die maßgeblichen Aspekte der Gestaltung unseres Lebensraumes zu erfassen, in den Dialog zu führen, die Verantwortung für unsere gebaute Umwelt wahrzunehmen, sowie die Erregung der Kreativität zu erspüren und zu verbinden. Unser Anliegen ist nicht nur Reaktionen aufzuspüren und Prozesse in die Wege zu leiten, sondern Grenzgänge anzustiften und durch stimulierende Irritation den Raum weit werden zu lassen für neue Ansätze.

Marina Hämmerle, ST/A/R Juni 2006


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